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eReader, die Anmerkungslinks kapieren
#1  brucewelch 03-28-2015, 07:51 AM
In der Korrepondenz mit verschiedenen Buchmachern ist mir zuletzt ein Problem aufgefallen, das sowohl die Abteilung eReader wie auch das Buchmachen betrifft: die Fähigkeit, mit Links, besonders mit Anmerkungen, umzugehen. Deshalb dieser eigene Thread.

Letzten Sommer erstand ich auf einer Reise, daher etwas schnell, und im Vertrauen auf mehrere Tests den Tolino Vision. Ja, elegant ist er ja, aber ich hatte mir in unverzeihlicher Blauäugigkeit nicht klar gemacht, was die neue Totalorientierung auf Touch-Technik bedeutet: ohne eine diesbezügliche Taste muß ein Link auf dem Display irgendwie berührt werden, und dies scheint erst ab einer gewissen Größe zu funktionieren. Fußnoten, wie ich sie in meinen eBooks setze, kann man nicht mal mit mit dem schlanksten Touch-Pen anwählen - statt dessen blättert das Gerät die Seite um. [Dass ich das Fehlen einer Ordneransicht bei eReadern für eine Katastrophe halte, will ich hier nicht weiter ausführen.] Jedenfalls steht das Gerät nach wenigen Versuchen verlassen im Regal (Wer es für einen fairen Preis mit Etui erwerben möchte, möge sich bitte melden!).

Wenn in der eReader-Entwicklung dies der Trend ist, kann ich das nur für einen bedenklichen Rückschritt halten. Mit dem Aufkommen des eBooks hatte ich mir vorgestellt, dass hier die Richtung zu universellen Lesegeräten eigenschlagen würde, die auch die Rezeption wissenschaftlicher Texte einschließt; und hier kommt man ohne flotten Anmerkungsgebrauch nicht von der Stelle. Auch klassische Texte brauchen oder haben von sich aus zahlreiche Anmerkungen, die schnell geschaltet sein sollten.
Ich gebe zu, dass ich im Anfang meiner eBook-Produktion eine Reihe von Büchern so gestaltet habe, dass die Anmerkungen mit oder ohne eckige Klammern grau hinter das betreffende Wort gesetzt waren. Frodok und hornhj verfahren m.W. auch derzeit so (oder so ähnlich). Ich will sie hier auf keinen Fall kritisieren.
Für mich kommt aber dieses Verfahren aus ästhetischen Gründen nicht mehr in Frage. Mein Bemühen ist darauf gerichtet, auf elektronische Weise einen Abglanz des Printdrucks erstehen zu lassen. Deshalb würde ich auch nicht die Fußnoten-Ziffern auf "fett" schalten, ihre Größe höher setzen und sie zusätzlich mit eckigen Klammern umgeben wollen. - Wenn ich den Tolino Vision als Muster für aktuelle eReader nehme, heißt das, dass eBooks, wie ich sie mit Anmerkungen zu gestalten versuche, an den bestehenden Verhältnissen vorbei produziert sind!?

Es ergeben sich für mich also zwei Fragen:
1. Welche aktuellen eReader können noch mit Anmerkungs-, aber auch Inhaltsverzeichnis-Links vernünftig umgehen? Welche Geräte sind noch im Umlauf, die mit entsprechenden Tasten ausgerüstet sind? Welche älteren Geräte haben diese Fähigkeit (vielleicht muss man sich gebraucht ein paar für die Halde zulegen?). - Gen3 und Opus von Bookeen können das, Pocketbook 611 ebenfalls.

2. Wie sollen sich die Buchmacher zu dieser Situation stellen? Gibt es zu den erwähnten Praktiken Alternativen?
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#2  mmat1 03-28-2015, 11:58 AM
Ich kann die Erfahrung nur bestätigen, die Entwicklung ausgereifter Software für Touch-Only Reader scheint den Herrschaften zu teuer zu sein.

Was besseres, als die Fußnotenverweise zu vergrößern (mit Klammern und Fettdruck) ist mir allerdings zu dem Thema auch noch nicht eingefallen. Das ist optisch nicht sehr schön, aber einen anderen Weg scheints nicht zu geben. Oder ich setze halt die Fußnote in den Text (aber nur, wenn es sich um eine geringe Anzahl kurzer Fußnoten handelt). Manchmal, z. B. wenn es sich nur um eine kurze Übersetzung eines fremdsprachlichen Begriffs handelt, find ich die Fußnote im Text sogar besser.

Auch ich wünsche mir bei E-Readern eine Umsetzung von Fußnoten in der vorbildlichen Weise, wie dies bei iBooks der Fall ist. Aber Land ist wohl nicht in Sicht, denn eine beeindruckende Liste von (Hardware-)Features, die dann mehr schlecht als recht umgesetzt ist, verkauft sich allemal besser.

Traurig, aber war, ich kenne derzeit keinen E-Reader, bei dem das Thema sauber umgesetzt ist, und speziell beim Tolino hat sich m. E. mit dem letzten Update (beim Erscheinen des Vision) eine deutliche Verschlechterung ergeben. Manche Sachen schau ich mir daher nur noch auf dem Tablett an...
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#3  Ranwhp 04-03-2015, 11:21 AM
Könnt ihr mal ein Beispiel hochladen?

Ich benutze einen Androiden mit FBReader.
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#4  mmat1 04-03-2015, 11:39 AM
Quote Ranwhp
Könnt ihr mal ein Beispiel hochladen?

Ich benutze einen Androiden mit FBReader.
Also Beispiele gibts hier genug, aber eines ist ganz einfach. In Sintram hier ist im letzten Kapiten "Anmerkungen" ein kleines Sternchen vor der Anmerkung. Wenn man da drauf klickt, dann soll der Reader zur "Nachschrift" springen.

Ich zweifel allerdings dran, das der FB-Reader die Links überhaupt unterstützt.
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#5  Ranwhp 04-03-2015, 04:21 PM
Klappt sogar. Ohne Probleme
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#6  brucewelch 04-04-2015, 06:54 AM
Ja, der FBReader kann Links. Auf dem Archos 70b habe ich auch einen. Aber die Crux bei Readern dieser Art ist doch, dass sie das vom eBook-Produzenten erstellte Layout nicht wiedergeben. So möchte ich ehrlich gesagt die von mir gemachten Bücher nicht gelesen haben ().

Ich hatte ja gehofft, dass einige hier vorbeischauen und mal ein paar Geräte nennen, die sowohl Links können als auch das Layout beibehalten. Es ist Testberichten in dieser Hinsicht zuallermeist gar nichts zu entnehmen.
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#7  mmat1 04-04-2015, 08:39 AM
Quote brucewelch
Ja, der FBReader kann Links. Auf dem Archos 70b habe ich auch einen. Aber die Crux bei Readern dieser Art ist doch, dass sie das vom eBook-Produzenten erstellte Layout nicht wiedergeben. So möchte ich ehrlich gesagt die von mir gemachten Bücher nicht gelesen haben ().

Ich hatte ja gehofft, dass einige hier vorbeischauen und mal ein paar Geräte nennen, die sowohl Links können als auch das Layout beibehalten. Es ist Testberichten in dieser Hinsicht zuallermeist gar nichts zu entnehmen.
Naja, vielleicht liegt das dadran, das es so einen Reader garnicht gibt?

Was die getreuliche Format-Wiedergabe betrifft, bastel ich grad an einem Test-EBuch. (Ich weiss, sowas gibts schon, aber nicht so ...). Ich finde, der Tolino schlägt sich da garnichtmal schlecht.

Das mit der Link-Unterstützung scheint bei aktuellen Readern eine Seuche zu sein, das Problem haben sie scheinbar alle. Das war einer der Günde, weshalb ich den Pocketbook im Main versenkt und den Onyx ganz schnell an den Händler zurückgeleitet habe.

Glaubs oder nicht: mir scheint es so als wäre der Tolino (bei mir Shine) derzeit noch das kleinste Übel.
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#8  mmat1 04-04-2015, 08:41 AM
Quote Ranwhp
Klappt sogar. Ohne Probleme
Na bitte. Aber Tabletts sind halt eine andere Welt ...
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#9  mmat1 04-04-2015, 09:13 AM
Quote brucewelch
Es ist Testberichten in dieser Hinsicht zuallermeist gar nichts zu entnehmen.
Das ist leider nur zu richtig. Hab mir gerade mal den aktuellen Test der Stiftung Warentest angeguckt. Der ist sowas von Hardwarelastig, dass es schon weh tut. Mit den Feinheiten der Lesesoftware haben die sich scheinbar garnicht auseinandergesetzt.
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#10  brucewelch 04-11-2015, 11:30 AM
Na gut, wenn hier keine Post mehr kommt, dann ziehe ich für mich mal folgendes Fazit:

1. Das Projekt "universelles elektronisches Lesegerät via E-Ink" ist vorerst gescheitert.

2. Die Produzenten setzen nur noch auf ex-and-hop-Lektüre, und die Leser stellen sich dem nicht entgegen.

3. Wer die vielfältigen Möglichkeiten eines vollverlinkten eBooks als Buchmacher auslotet, arbeitet inzwischen für die Katz, will sagen: für eine Minderheit von Spezialisten - das ist, wie wenn Robben Ford Konzerte gibt: es sind lauter Gitarristen anwesend - Musik für Musiker. - Mich wundern dann doch die z.T. nicht unbeträchtlichen Download-Zahlen, die auch bei eBooks mit zahlreichen Links anfallen ... Nimmt man die "halt" in Kauf?

4. Ich mache meine eBooks einfach weiter wie bisher. Vielleicht kehrt nach maßloser touchscreen-Begeisterung irgendwann doch noch mal so was wie eine rationale Betrachtung der Sachlage ein. Wäre schade, wenn sich bis dahin alle Buchmacher das Setzen von Links abgewöhnt haben.

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