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Other Non-Fiction Constant, Benjamin: Adolphe. (german) V1; 06 Sep 2020
#1  Frodok 09-06-2020, 04:19 AM
Benjamin Constant, eigentlich Henri-Benjamin Constant de Rebecque (25. Oktober 1767 in Lausanne — 8. Dezember 1830 in Paris) war ein frankophoner Schriftsteller, liberaler Politiker und Staatstheoretiker Schweizer Herkunft.

Trotz seiner unsteten Lebensweise schrieb Constant ständig: meistens historiographische und/oder politologische oder politische Schriften und Artikel. Seinen Platz in der Literaturgeschichte verdankt er jedoch vor allem der erfolgreichen Erzählung Adolphe (geschrieben 1806/07, veröffentlicht erst 1816). Die Erzählung schildert die Geschichte eines jungen Mannes (Adolphe), der eine zehn Jahre ältere Frau (Ellénore) verführt, sich, als er merkt, dass sie ihn allzu sehr liebt und an ihn klammert, von ihr zu lösen versucht, dies aber aufgrund der vielen Opfer, die sie ihm bringt, nicht kann, dann aber doch wieder will und sie durch sein unentschlossenes Hin und Her und seine schließliche Abwendung in Krankheit und Tod treibt. Sie spiegelt offenbar eine fast pathologische Zerrissenheit des Autors selbst zwischen Bindungswünschen und Bindungsangst und ist wahrscheinlich vor allem inspiriert von seiner schwierigen Situation zwischen Mme de Staël und Charlotte von Hardenberg. Der Adolphe gilt als ein erstes Beispiel und Muster des sich im 19. Jahrhundert entwickelnden psychologischen Romans. (aus Wikipedia)

Adolphe. Deutsch bearbeitet von Josef Ettlinger. Erschienen im Verlag von Otto Hendel. Halle, 1898.

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Einleitung
An einem Septembertage des Jahres 1794 wurde auf der Landstraße zwischen Genf und Lausanne die denkwürdige Bekanntschaft zwischen Frau von Staël und dem damals siebenundzwanzigjährigen Benjamin Constant geschlossen. Dieser hatte die junge Frau am Morgen, durch gemeinsame Freunde an sie empfohlen, in Schloß Coppet, dem am See gelegenen Landsitze der Familie Necker, aufsuchen wollen, dort gehört, daß sie nach Lausanne gefahren sei, und auf dem Wege dahin ihren Wagen noch eingeholt. Auf ihre Einladung hin legte er den Rest der kleinen Reise mit ihr gemeinsam zurück, war ein paar Tage lang in Lausanne ihr Gast und gewann dabei von dem seltenen Zauber ihres Wesens sofort den tiefreichenden und unauslöschlichen Eindruck, der ihn von da ab für ein halbes Menschenalter an ihre Seite fesseln sollte …

Sechzehn Jahre später, an einem Vormittage des Mai 1811 nahmen in demselben Lausanne dieselben beiden Menschen auf der Freitreppe eines Gasthofes für alle Zeiten, wie sie glaubten, voneinander Abschied. Es war der endgültige Scheidetag zweier Herzen, die mehr als anderthalb Jahrzehnte lang durch ein eigenartiges Band, teils der Neigung, teils der Wahlverwandtschaft, teils der Gewohnheit magnetisch zusammengehalten worden waren. Wohl führte ihr Lebensweg sie auch später noch so manches Mal aneinander vorüber; aber statt des festgeflochtenen Bandes von einst war es nur mehr das dünne Schleiertuch der Erinnerung, was sie fortan zusammenhielt, und der einzige und letzte wirkliche Liebesdienst, den Constant seiner weltgefeierten Freundin noch erweisen sollte, war die Totenwache an ihrem Sarge, sechs Jahre nach jener Lausanner Abschiedsscene.

Der Reflex dieser langjährigen Beziehungen zwischen Neckers genialer Tochter und demjenigen, den man den ersten Kosmopoliten und den geistreichsten Mann seit Voltaire genannt hat, war der kleine Roman „Adolphe,“ den Constant im Jahre 1807 in der kurzen Zeit von zwei Wochen niederschrieb, aber erst 1816 in London erscheinen ließ. In dem Helden dieser Erzählung „aus den Papieren eines Unbekannten“ hat er ein Selbstportrait von erstaunlicher Schärfe und Schonungslosigkeit erschaffen, ähnlicher Weise wie schon vor ihm mit anderen Mitteln und weniger Selbstbespiegelung Frau von Staël das Bild ihrer eigenen Persönlichkeit in den Romanen „Delphine“ und „Corinna“ gegeben hatte. Und wie sie ihrerseits Constant in „Delphine“ als Henri de Lebensey wenigstens episodisch einführte und für den herzensnüchternen Lord Melvil in „Corinna“ ihn mit manchem Zuge Modell stehen ließ, so gab sie selbst mit einem Bruchteil ihres Wesens das Urbild zu der weiblichen Heldin des „Adolphe,“ der schönen Polin Ellénore her.
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