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Der deutsche Buchmarkt / Die deutsche Buchkultur [Sammelthread]
#61  pynch 03-31-2018, 04:24 AM
Magst du ausführen, was du mit der »Begleichung noch offener Rechnungen« meinst? Das wird mir nicht ganz klar.
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#62  pynch 03-31-2018, 05:00 AM
Was ich außerdem noch ganz spannend finde, ist, dass in dieser Auseinandersetzung der Text der Gabler-Ausgabe vom Ulysses plötzlich wieder völlig unhinterfragt als »maßgeblicher« gilt, der dem »Original« (was immer das sein soll) am nächsten komme. Zumindest in der angelsächsischen Welt ist er von den meisten Verlagen schon vor Jahrzehnten wieder durch ältere Textfassungen ersetzt worden, als klar wurde, dass sich Gabler sehr viele Freiheiten in der Konstruktion seines »Originaltextes« genommen hat. Und nun soll es zu einer Verbesserung der Übertragung führen, wenn man die Freiheiten, die sich Wollschläger beim Übersetzen genommen hat, zurückbaut, aber die Gabler’schen Texterfindungen übernimmt? Weird.

Schon damals beim Gabler sollen die Erben auf möglichst viele Änderungen gedrungen haben, um ein neues Copyright begründen zu können, und auch in diesem Fall scheinen ökonomische Überlegungen im Vordergrund gestanden zu haben – mit der »Handvoll Korrekturen«, die Wollschläger für nötig hielt, dürfte man kaum die Chance gehabt haben, den Text allen erneut andrehen zu können.
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#63  pynch 03-31-2018, 05:32 AM
Der Vollständigkeit halber hier noch die von Gordon zitierte, inzwischen gelöschte Verlagsankündigung der Übersetzungsrevision, in der die Gleichung aufgemacht wird, dass Gablers Ausgabe Joyces Originalintentionen entspricht:

Quote
Vor 95 Jahren erschien Ulysses in Paris, vor 90 Jahren Georg Goyerts erste, vor 42 Jahren Hans Wollschlägers hoch gelobte und viel geliebte zweite Übersetzung ins Deutsche. Aber erst 1984, neun Jahre danach, legte ein Team um den Anglisten Hans Walter Gabler den Originaltext zum ersten Mal verlässlich ediert, in der von James Joyce intendierten Gestalt vor.

Harald Beck und die Kuratorinnen der Zürcher James Joyce Stiftung haben auf dieser Grundlage die Übersetzung Hans Wollschlägers in mehrjähriger Arbeit revidiert – und damit dem Original unerhört nahegebracht. Der deutsche ist dem englischen Text auf den Leib gerückt und hat – an Frische, Direktheit und Joyce-Ton – gewonnen.

»Joyce redivivus!« Allen, Alt- wie Jung- und Neulesenden, verspricht der neue Ulysses ein aufregendes Leseabenteuer und -vergnügen.
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#64  pynch 06-06-2018, 04:10 AM
Das war’s dann wohl: Dem Bundesverfassungsgericht war die Beschwerde des C.H.Beck-Verlags gegen das VG-Wort-Urteil wohl zu blöd, daher haben sie sie nicht einmal zur Entscheidung angenommen (Pressemitteilung hier).

Außerdem: Juristen haben schöne Wörter, die sonst niemand kennt, z.B. »Nebenintervenientin«.
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#65  Gudy 06-08-2018, 03:25 AM
Wenn man sich den ersten Absatz so durchliest, gehen einem spontan Wörter wie "schallend" und "Ohrfeige" durch den Kopf. Bildgewaltige Prosa... :-D
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