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Other Fiction Reimar, F.L.: Novellen. V1 [German] 25.1.2019
#1  brucewelch 01-24-2019, 05:52 AM
Hinter dem Pseudonym "F. L. Reimar" verbirgt sich eine weibliche Autorin, Marie Zedelius, über die nicht sehr viel mehr bekannt ist als ihre Lebensdaten (1826-92) , ihr Lebensraum (das Oldenburger Land) und dass sie (neben einem Lustspiel) für verschiedene Zeitschriften, darunter auch die "Gartenlaube", Novellen verfasst hat, die auch in einigen mehrbändigen Sammlungen in Buchform gedruckt wurden. Keines dieser Bücher ist - bis auf eines, "Durch die Brandung" - irgendwie greifbar, allerdings sind einige Novellen durch die wikisource-Arbeit an der Zeitschrift "Die Gartenlaube" inzwischen digitalisiert bzw. das Material dazu stand immerhin bereit. Ferner konnten drei Novellen aus der Zeitschrift "Der Salon" extrahiert und OCRt werden, so dass diese Sammlung auf ca. 400 ePub-Seiten insgesamt 7 Novellen aus den Jahren 1867 bis 1883 bieten kann, wobei "Durch die Brandung" (in der Erstausgabe von 1877 denn doch 204 Seiten) vom Umfang her wie auch kompositorisch bereits als Roman angesprochen werden könnte.
Ich stelle Marie Zedelius mit einem Querschnitt ihres novellistischen Schaffens deshalb hier vor, weil sie - anders als eine Großzahl von novellenschreibenden Autoren jener Jahre - dem strengeren Formtyp der Gattung gerecht wird; in der dramaturgischen Zuspitzung der Handlung erreicht sie durchweg das Maß eines Paul Heyse, wenn sie auch in puncto Moral bedeutend strengere Maßstäbe anlegt als dieser (was aber bei der in diesem Betreff eher laxen Haltung des Meisters nicht verwundern dürfte). Zwar drehen sich die Stoffe bevorzugt um konventionelle Gesellschaftskonflikte mit Schwerpunkt Liebesthematik; Zedelius weiß diesen aber nicht allein originelle Schattierungen abzugewinnen, sie setzt auch Akzente, die auf das Selbstbestimmungsrecht der Frauen verweisen oder die kastenartigen Standesgrenzen in Frage stellen. Es liegt durchweg ein entschiedener Ernst über diesen Novellen, die sie von den fröhlich-plätschernden Unterhaltungsstücken einer Ernst Fritze (= Luise Reinhardt) äußerst positiv abheben. Hinzu kommt ein stilistisch gekonnter Umgang mit der erzählerischen Sprache - hier liegen ihre Fähigkeiten weit über dem Durchschnitt von "Gartenlaube"-Autorinnen wie der Hillern oder der Werner.

"Getrennt", "In sengender Gluth" und "Doctor Reinhard" gehen also - mit Dank - zurück auf Wikisource-Materialien; auch die dort bereits als "fertig" deklarierten Stücke wurden - wie alle Texte dieser Ausgabe - (und durchaus nicht unergiebig) vollständig korrekturgelesen. - Die übrigen Novellen wurden durch eigenes OCR digitalisiert. - Orthographie und Interpunktion, die sich je nach Druckort auch unterschieden, wurden auch bei inkonsistenten Schreibweisen beibehalten; nur evidente Druckfehler sind stillschweigend berichtigt.
Das Cover entstammt übrigens einem zeitgenössischen Modekatalog. Mir schwebte dabei die Stellung der weiblichen Hauptpersonen in der Novelle "Die befreite Psyche", Isabella und deren sechs Jahre jüngere Nichte Mathilde, zueinander vor.
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[epub] Reimar, F.L. - Novellen.epub (489.8 KB, 241 views)
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