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Other Fiction Auer, Adelheid von: Fußstapfen im Sande. V1 [German] 11.8.2020
#1  brucewelch 08-11-2020, 08:31 AM
»[...] Ach, Waldemar,« fuhr sie fort, »aus mir hat das Leben nicht viel Gutes gemacht, seit wir uns nicht gesehen haben!« — »Warum überläßt Du es dem Leben, Etwas aus Dir zu machen, warum machst Du Dir nicht aus ihm, was für Dich taugt?« sagte er lebhaft.

(Band II, S. 94f.)

Charlotte von Cosel alias Adelheid von Auer ist keine Autorin, die der Ergebungsbequemlichkeit unter ihren Lesern Vorschub leisten möchte; ganz unabhängig vom Geschlecht, sind diejenigen, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen, die eigentlich positiven Figuren, allerdings nie um den Preis von Achtung und Rücksicht gegenüber den Mitmenschen - zu letzterem verkörpert Wendula Artefeld das abschreckende Gegenbeispiel: ihre Handlungsweise lässt den Leser oft fast aus der Haut fahren.
"Fußstapfen im Sand", ein weit gespannter Familienroman, 1868 in vier Bänden mit insg. 1.147 Seiten (!) erschienen, stammt aus jenen Jahren, in denen die Leserschaft mindestens drei Bände durchzuackern wünschte, was - weil andere Formate fast unverkäuflich waren - zu teilweise kuriosen Bandaufteilungen, Satzspiegeln mit heftigem ›Durchschuss‹ und enormen Zeilenabständen führte, aber auch zu einer gewissen erzählerischen Geschwätzigkeit, wie sie etwa den Romanen von Willkomm und Galen in den 1860er Jahren zueigen war.
Auers "Fußstapfen" kranken nicht an dem ersteren Symptom: auch im modernen Druck käme man hier nicht unter 1.000 Seiten weg; eine gewisse epische Breite bis in die üppige Personenrede hinein muss man dem Roman aber schon attestieren. Dabei geht es jedoch höchst dramatisch und landschaftlich wie sozial und charakterlich sehr abwechlungsreich zu, so dass man für die erzählerische Redundanz ordentlich entschädigt wird: ein wahres Melodram in epischem Technicolor.
An Spielorten finden wir Breslau (ein in der Literatur dieser Jahre so gut wie nicht bespielter Platz), besonders aber die Insel Usedom (auf diese zielt das auf den Titel Bezug nehmende Cover, das einen vergleichbaren Strand bei Gay Head, Martha's Vineyard, zeigt, einen Stich von David H. Strother, der 1860 in der Zeitschrift "Harper's New Monthly" erschien), und gegen Ende auch Putbus auf Rügen. Schon darum war es mir die Arbeit an diesem gigantischen Roman wert.

Das eBook fußt auf eigenem OCR der Erstausgabe (GoogleBooks).

A.v.Auer ist hier bereits mit der Novelle "Jedem das Seine" vertreten.

Was übrigens die Verwandschaft der Charlotte von Cosel mit der Gräfin Cosel betrifft, so steht m.E. die Entscheidung noch aus, denn die Wikipedia-Angaben widersprechen sich hier: wie kann diese Verwandtschaft behauptet werden, wenn sie gleichzeitig dem Großvater ausdrücklich abgesprochen wird?
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#2  Leonatus 08-18-2020, 11:29 AM
Vielen Dank für das Werk, aber auch dafür, dass Du die Verwandtschaftsfrage nicht vergessen hast. Dieser Tage war ich urlaubshalber auch in Cosel, konnte aber nichts Neues herausfinden.
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