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Historical Fiction Scott, Sir Walter: Ivanhoe. V2. [German] 6.8.2020
#1  brucewelch 02-06-2011, 09:04 AM
Das Bild, das "Ivanhoe", der zehnte der sog. "Waverly-Romane", vom England des Jahres 1194 zeichnet, ist das eines zerrissenen Landes, gespalten in die als arrogant und räuberisch beschriebene normannische Oberschicht und zum andern das ausgebeutete und unterdrückte Volk der Sachsen. In denkbar schlechtem Licht erscheint ebenfalls die offizielle christliche Kirche, deren pflichtvergessene Vertreter alle Tugendgebote ihres Standes missachten, und vor allem der machtbesessene, ethisch heruntergekommene Templerorden. — Dass ein solches Bild im Jahre 1819 nicht von einem Engländer entworfen werden konnte, war klar; es musste der Schotte Walter Scott sein, der mit "Ivanhoe" zum ersten Mal innerhalb seiner Roman-Serie den Raum der schottischen Geschichte überschritt, einer Geschichte, deren Parallelen im Leiden der Schotten an England gegenüber denen der Sachsen an den Normannen offensichtlich sind.
Es ist Scotts beliebtestes Werk geworden und hat auch seinen Weg nach Hollywood gefunden: wegen seiner hinreißenden Buntheit, seines Handlungsreichtums, wegen Richard Löwenherz und Robin Hood und — wegen seiner heimlichen Hauptfigur, die - wie so oft bei Scott - nicht eigentlich die Titelfigur ist, sondern die junge Jüdin Rebecca, die an Charakter, Bildung und Schönheit alle anderen in den Schatten stellt. Auch dadurch besticht der Roman, dass er den antisemitischen Vorurteilen unmissverständlich entgegentritt.
Walter Scott, der "Shakespeare der britischen Epik", wie er oft genannt wird, ist ein Meister der Erzählkunst; dies beweist z.B. das 29. Kapitel: in Front de Boeufs geraubter Burg Torquilstone werden u.a. Ivanhoe und Rebecca gefangen gehalten; die Erstürmung dieser Festung durch die geächteten Sachsen erlebt der Leser nicht etwa aus der äußeren auktorialen Perspektive, sondern aus der "Mauerschau", die nämlich Rebecca für den verwundet daliegenden ›enterbten Ritter‹ vornimmt - aus der Sicht einer Außenseiterin also, einer jüdischen, auf Humanität bedachten Frau, kontrastiert wiederum mit den Kommentaren eines durchaus militanten Dissidenten, der das terroristische Regime des Prinzen Johann zur Strecke bringen will - das Ganze ist eine Perle epischer Darstellung, bei aller Lebhaftigkeit bleibt diese im Innersten unaufgeregt und voller Übersicht.

Vorgelegt wird dieses wunderbare Buch in der 1876 von Benno Tschischwitz publizierten Form. Die Übersetzung stellt eine Überarbeitung des von Dr. Ernst Susemihl zuerst für den Verlag von Heinrich Hoff, Mannheim, 1842 (in zweiter Auflage bei der Hoffmann’schen Verlags-Buchhandlung, Stuttgart, 1851, und weiteren Auflagen) erarbeiteten Werkes dar, was in der Ausgabe von B. Tschischwitz allerdings unerwähnt bleibt; sie ist dennoch der von Susemihl vorzuziehen, da sie vollständig ist und auch alle lyrischen Einlagen bringt. (Das hier Gesagte gilt auch für die Version von "Waverly", die ihr ebenfalls im Forum findet.)
Cover und Frontispiz beruhen auf Illustrationen von E. Klimsch aus der vorliegenden Ausgabe, ersteres zu Kapitel 8: Der ›enterbte Ritter‹ besiegt den Tempelritter im Turnier; das zweite zu Kapitel 28: Rebecca und ihr Diener umsorgen den verwundeten Ivanhoe. — Im Anhang findet ihr das Frontispiz der Stuttgarter Ausgabe (s.o.) von 1851.
Der Text basiert auf der digitalen Version von zeno.org; diesem wurden seinerzeit allerdings Einleitung sowie die Anmerkungen des Herausgebers entzogen. In die vorliegende Edition habe ich beides wieder eingefügt; zudem ist der Text nun vollständig und gründlich korrekturgelesen und von seinen Fehlern befreit.
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#2  brucewelch 08-06-2020, 05:10 AM
Weil dies eine völlig neue, ergänzte und fehlerbereinigte Version des vor bald 10 Jahren von mir hier eingestellten eBooks darstellt, hole ich es durch diesen Anhang noch einmal nach vorne.

Bitte beachtet auch die neuen Versionen von
"Waverly"
und
"Regauntlet".
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