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Other Fiction Fénelon, François: Telemach. V1 [German] 11.6.2021
#1  brucewelch 06-11-2021, 05:26 AM
"Sind nicht alle Menschen Brüder?"
(Telemach im 17. Buch)

Der berühmte Erziehungsroman ›Les aventures de Télémaque‹ — denn keine Sorge: es ist tatsächlich vor allen Dingen ein regelrechter Abenteuerroman! — war von François Fénelon in seiner Eigenschaft als Erzieher des ältesten Enkels Ludwigs XIV. und potentiellen Thronfolgers ("Dauphin") Ludwig de Bourbon, Herzog von Bourgogne (dieser starb freilich vor König Ludwigs Ableben 1712) für diesen verfaßt. Er gilt als Meilenstein der Aufklärung.

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… Und so spiegelt dieses Werk, obwohl bereits 1699, noch zur Regierungszeit Ludwigs XIV., veröffentlicht, durchaus nicht die reale Praxis des französischen Absolutismus; die wirtschaftlichen Vorstellungen dieses ›Staatsromans‹ (denn das ist er auch) z.B. nehmen mehr die Forderungen von Adam Smith nach ökonomischem Liberalismus vorweg und empfehlen die Förderung der Landwirtschaft; und statt kriegerischer Expansion, wie Ludwig XIV. sie praktizierte, progagiert das Buch ein friedliches Zusammenleben der Völker ("Das ganze Menschengeschlecht ist nur eine auf der Oberfläche der Erde zerstreute Familie. Alle Menschen sind Brüder, und wie Brüder sollen sie sich auch lieben," verkündet Mentor im 11. Buch). Auch jeder luxuriösen Hofhaltung wird eine klare Absage erteilt. Dass dies alles gewürzt ist mit einer Menge oft haarsträubender Naivität, macht die Lektüre heute keineswegs unsympathischer. —
Tatsächlich wurde auch der ›Télémaque‹ seinerzeit "sofort interpretiert als kaum verschlüsselte Kritik am autoritären, zunehmend abgehobenen Regierungsstil Ludwigs XIV. sowie an seiner aggressiven, kriegerischen Außenpolitik und seiner exportorientierten merkantilistischen Wirtschaftslenkung, die die Produktion und den Export von Luxusgütern unterstützte." (wikipedia im Fenelon-Artikel)
Fénelon, dessen Roman bereits vorab in Auszügen bei Hof zirkuliert war, verlor auf Druck des mächtigen Absolutismus-Apologeten Bossuet Anfang 1699 seinen Erzieherposten, um nach Erscheinen des vollständigen ›Télémaque‹ April 1699 ganz vom Hof verbannt zu werden; so zog er sich als Erzbischof von Cambrai in sein Bistum zurück.
Die Grundlage dieses eBooks mit dem (vollständigen) Titel Die Begebenheiten des Telemach ist eine, vermutlich vor 1815 (in diesem Jahr erschien bereits die zweite Auflage) zum erstenmal veröffentlichte, anonyme Übersetzung, und zwar in der Fassung, in der sie 1840 (was mindestens die fünfte Auflage sein muss, da 1831 die vierte erschienen war) publiziert wurde. Im Unterschied zu dieser Ausgabe sind im eBook die Inhaltsangaben, die dem jeweiligen Kapitel vorangestellt sind, dem Inhaltsverzeichnis zugeordnet (vor wie rück: über die Kapitelüberschriften).
Das Textmaterial wurde durch eigenes OCR gewonnen. Orthographisch folgt das eBook der Vorlage. Das Cover greift zurück auf das Frontispiz einer älteren deutschen Übersetzung von Benjamin Neukirch (1752); in diesem wird auf bezeichnende Art der antik-mythologische Rahmen des Werkes mit zeitgenössischer Rokoko-Dekoration verknüpft.
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