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Qualitätsjournalist und Experte im Gespräch zur Buchpreisbindung
#1  doubleshuffle 05-26-2015, 12:55 PM
Ausschnitt aus einem FAZ-Interview zum Thema TTIP und Buchpreisbindung

Quote
[Jan Wiele, der Qualitätsjournalist]: Sollte man die Buchpreisbindung, die ja einen Schutz für Vielfalt und Qualität darstellt, nicht vielmehr ausweiten - etwa auf E-Books und Hörbücher?

[Georg M. Oswald, der Experte]: Wenn man Angebotsvielfalt erhalten will, sollte man das tun. Es wäre aber auch nötig, Regelungen zu schaffen, welche die Umgehung durch Internetangebote aus dem Ausland erschweren.
Da fällt mir nix mehr zu ein. Die haben solch ehrfurchtgebietendes Expertenwissen über den Stand der Preisbindung bei Ebooks... wow....
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#2  dickloraine 05-26-2015, 02:06 PM
Ausserdem fragt man sich ja schon, wieso es in Ländern ohne Buchpreisbindung überhaupt noch Bücher gibt. Laut den deutschen Verlagen geht das doch gar nicht. Achso, geht schon, aber ist natürlich qualitativ schlechter.

Zudem dachte ich, wäre die Buchpreisbindung auch gar nicht für Verlage gedacht. Wieso sollte man auch eine Industrie so bevorteilen? Durch das Internet ist meiner Meinung nach die Buchpreisbindung eh obsolet. Und Regeln gegen andere Bewerber? Ja, so ein Kampf gegen die Zukunft funktioniert immer prima.
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#3  doubleshuffle 05-26-2015, 03:42 PM
Zum Thema Buchpreisbindung habe ich zwei Seelen, ach, in meiner Brust...

Was mich so fassungslos gemacht hat, ist die Tatsache, dass die zwei Schlaumeier von einer Ausweitung der Preisbindung auf Ebooks reden, obwohl deutsche Ebooks schon immer preisgebunden sind...

(Jetzt muss ich allerdings meine eigene Unkenntnis in Bezug auf Hörbücher eingestehen - ich gehöre nicht zur Kundschaft und habe deshalb keine Ahnung, wie es bei denen eigtl. mit der Preisbindung steht.)
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#4  dickloraine 05-26-2015, 03:52 PM
Hab mich schon immer gefragt, was passieren würde, wenn sich jemand bei ebooks nicht dran halten würde. Die Lage scheint mir etwas seltsam. Auf der einen Seite soll die Buchpreisbindung gelten, aber auf der anderen Seite gelten sie steuerlich und rechtlich als Dienstleistung. Passt irgendwie nicht zusammen.
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#5  dickloraine 05-26-2015, 03:57 PM
Nochwas zum fachlichen: Das ganze ist ja gar kein Interview. Sondern zwei Leute die sich einfach gegenseitig bestätigen. Die Antworten sind doch schon in der Frage enthalten ebenso wie eine Bewertung der Situation, welche doch eigentlich erst der "experte" geben sollte.
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#6  pynch 05-27-2015, 03:53 AM
Quote doubleshuffle
Zum Thema Buchpreisbindung habe ich zwei Seelen, ach, in meiner Brust...

Was mich so fassungslos gemacht hat, ist die Tatsache, dass die zwei Schlaumeier von einer Ausweitung der Preisbindung auf Ebooks reden, obwohl deutsche Ebooks schon immer preisgebunden sind...

(Jetzt muss ich allerdings meine eigene Unkenntnis in Bezug auf Hörbücher eingestehen - ich gehöre nicht zur Kundschaft und habe deshalb keine Ahnung, wie es bei denen eigtl. mit der Preisbindung steht.)
Hörbücher sind nicht buchpreisgebunden, habe ich vor einigen Tagen irgendwo gelesen (ich gehöre da auch nicht zur Zielgruppe).

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Mal ein Vorschlag: Sämtliche Threads, die in den letzten Monaten zur Situation von E-Books in Deutschland hier begonnen wurden, sind nach wenigen Beiträgen wieder eingeschlafen. Mir passierte es mehrfach, dass ich sie erst gesehen habe, nachdem sie schon wieder erledigt schienen. Würde es vielleicht Sinn ergeben, einen Sammelthread einzurichten, der alles zum Thema bündelt? Das hätte den Vorteil, dass die Interessenten (die vielleicht so wie ich auch nicht so oft in der deutschen Abteilung nach Neuem suchen, da es nicht soviel gibt) über das Thread-Abo informiert würden.
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#7  skreutzer 05-27-2015, 04:07 AM
Nein, E-Books sind überhaupt nicht „schon immer“ buchpreisgebunden. Das ist lediglich die Propaganda, die der Börsenverein des Deutschen Buchhandels als hauptsächlicher Vertreter der Buchpreisbindung für E-Books glauben machen will. Der Knackpunkt an der Stelle besteht darin, dass E-Books keineswegs zwangsläufig als „überwiegend verlags- oder buchhandelstypisch“ anzusehen sind oder „Bücher reproduzieren oder substituieren“, sprich: es geht um die leidige Frage, ob ein E-Book ein Buch ist. Zusätzlich verfehlt die Buchpreisbindung im digitalen Bereich ihren Zweck völlig, weil im Internet ganz andere Konzentrationsprozesse (Stichwort: Vollsortiment) wirken als im stationären, örtlichen Buchhandel. Jetzt hat aber nunmal ein Gericht der Meinung des Börsenvereins stattgegeben, und damit die Digitalrückständigkeit weiter zementiert. Für gedruckte Bücher (und sei es per Online-Versandhandel) ist die Buchpreisbindung aber durchaus schützens- und erhaltenswert, um an der Stelle keine Missverständnisse aufkommen zu lassen. Ich habe hier auch ein wenig zum Thema geschrieben. Ferner hätte ich Lust, Beiträge zu selbigem von hier und anderswo mal zusammenzusammeln und zusammenzufassen, falls Interesse besteht.
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#8  doubleshuffle 05-27-2015, 05:14 AM
Quote skreutzer
Nein, E-Books sind überhaupt nicht „schon immer“ buchpreisgebunden.
Gut, ich habe das jetzt nicht genau recherchiert - aber seit ich Ebooks kaufe, sind die deutschen de facto preisgebunden; war das vor dem Urteil neulich etwa gar nicht vorgeschrieben? Das wäre ja dreist - und eigtl. ja ein Kartell, oder?

Wie gesagt, ich bin mir nicht sicher, ob ich Ebook-Preisbindung gut finde. Unmöglich finde ich den Kriterienmischmasch aus Buch und Digitalmedium, der jetzt auf Ebooks angewandt wir und das Schlechteste beider Welten für uns Kunden bedeutet, also
- vom Buch die Preisbindung,
- von den anderen Medien der ganze Rest, also 19% Mwst., Lizenz statt Besitz, DRM, FSK, etc.

Für die Preisbindung auch bei Ebooks spricht durchaus, dass durch die auch kleinere Buchhändler eine Chance haben am Ebookmarkt. Seit mein kleiner lokaler Buchhändler einen akzeptablen Ebookstore eingerichtet hat, kaufe ich z.B. deutsche Ebooks nur noch da. Bei aller Liebe würde ich das nicht tun, wenn ich dieselben Bücher woanders deutlich billiger bekäme. Insofern bin ich nicht grundsätzlich gegen Preisbindung für Ebooks, aber dann bitte mit ermäßigter Mwst.!

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Einen Sammelthread zum Thema Ebookpolitik fände ich auch nicht schlecht...
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#9  dickloraine 05-27-2015, 07:41 AM
Egal was man jetzt von der Buchpreisbindung denkt, glaube ich nicht, dass sie kleinen Händlern wirklich hilft oder ein wichtiges Instrument im eBook-Bereich ist.
DRM und Hardware mit Beschränkungen oder einfachen fest eingebauten Bezugsmöglichkeiten sind viel wichtigere Faktoren. Wenn Preis keine Rolle spielt, dann sind Dinge wie Bequemlichkeit, Umfang etc. wichtig. Nehmen wir erstmal eReader. Diese haben immer einen fest eingebauten Shop. Will man nun nicht erst auf dem PC einkaufen und dann die gekauften Bücher auf den eReader bringen (soweit das legal überhaupt geht, je nachdem mit welchem Format man ein eBook kauft), so muss man diesen Shop benutzen. Auf Tablets/Smartphones ist die Situation etwas besser, aber auch da ist es schwerer. Apple macht es nur einfach über seinen Shop einzukaufen, ansonsten muss man das per Browser machen. Google Play ist auf den meisten Androids vorinstalliert.

Dazu kommt dann noch die Verwaltung all dieser Quellen. Da die meisten eBooks DRM haben, muss man sie immer von dem jeweiligen Händler runterladen. Benutzt man viele Shops, sind die Bücher überall verteilt. Zudem muss man Vertrauen haben, dass der Shop auch nächstes Jahr noch existiert. Will man also auf vielen Plattformen lesen, bietet sich halt eine gute Infastruktur wie Amazon an.

Leute die nur ab und an ein Buch lesen, werden sicher nicht lange recherchieren, wo sie das Buch kaufen. Also am ehesten bei der einfachsten Möglichkeit ihres Geräts einkaufen. Leute die viel lesen, brauchen eine gute Infrastruktur, die bereitzustellen schwierig ist für kleine Händler.

Das sind meiner Meinung nach viel schwerwiegendere Schwierigkeiten, mit denen kleine Händler zu kämpfen haben. Preis wäre vlt. eine Möglichkeit trotzdem genutzt zu werden.
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#10  skreutzer 06-08-2015, 05:06 AM
Abseits der Überlegungen, die dickloraine angeführt hat, finde ich die Unterstützung des lokalen Buchhandels grundsätzlich gut, nur werden E-Books eben primär digital vertrieben und ausgeliefert, sodass es keinen Buchladen vor Ort mehr braucht, d.h. viele Buchläden an vielen Orten, welche unnötig doppelte Kosten verursachen, für die der Kunde aufkommen muss bei ohnehin gleichem Sortiment. Freilich, wenn man auch bei E-Books wert darauf legt, in einen Laden gehen zu können und persönlich beraten zu werden, dann sollte das weiterhin möglich sein und man sollte bereit sein, für diese Leistung dann auch mehr zu bezahlen, die Zukunft der Digitalökonomie würde ich dafür aber keinesfalls aufs Spiel setzen wollen.
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